Kaum jemand kennt ihn, er wurde 1868 von der Industrialisierung direkt an der Quelle unter die Erde gebracht - und in Essen einfach vergessen. Mitten im Südviertel entspringt ein Fluss von sagenumwobener Kraft: die Berne. Sie schlängelt sich durch die Innenstadt, tritt an der Grillostraße im Nordviertel ans Tageslicht, kreuzt die Hafenstraße direkt hinterm Stadion und mündet in Bottrop in die Emscher. Nicht wenige Eingeweihte behaupten, dass die großartige Erfolglosigkeit von Rot-Weiß-Essen der Tatsache geschuldet sei, dass die Berne unterm Vereinsgelände pocht - auf ihr gutes Recht, dem Vergessen und der schmählichen Verrohrung als in die Unterwelt gezwungene Köttelbecke entrissen zu werden.
Damit der Rachedurst der Berne im bedeutenden Jahre 2010 nicht noch andere wichtige Bereiche unserer Kulturhauptstadt austrocknet, gehen wir zurück zur Quelle, wo alles beginnt. Die befindet sich in einem Gebüsch neben dem Spielplatz am Bernewäldchen. Zwischen der Schubert- und der Richard-Wagner-Straße liegt direkt daneben in einer Senke ein Fluss-Delta im Miniaturformat. Die unscheinbare Wiese in der Stadt ist selbst im Hochsommer sumpfig. Das nächstgelegene Gebäude ist die Zentrale der Emschergenossenschaft - die ist verantwortlich für unseren Fluss.
BERNE.2010 macht den Originalverlauf im Stadtbild sichtbar. Vom Bernewäldchen bis zur Grillostraße schlängelt sich ein Strich durch die City. Im kulturpolitischen Idealfall über Straßen und Gebäude, über Stock und Stein - eben exakt der originale Verlauf. Abschnittweise visualisiert von Künstlern, jeder gestaltet hundert Meter auf seine Art.
BERNE.2010 erweckt den vergessenen Fluss mit einer großen musiktheatralischen Inszenierung zum Leben. In zwei elektrisierenden Sommernächten wird am Quellort, das Mini-Delta als Amphitheater, die Sage der Bernenixen aufgeführt. Die gibt es wirklich, sie erzählt von der Zeit, als die Berne noch so fließen durfte wie sie wollte. Und steckt voller Geheimnisse un
darstellende kunst