Dortmunds schräge Ansichten fallen einem besonders ins Auge, wenn man – wie ich – noch ganz neu in der Stadt ist. Dazu kommt, dass meine Sichtweise nach langer Lebenszeit in München und zwei Jahren Freiburg durch das Kontrasterlebnis Köln geprägt wurde: Wer die bayerische Metropole kennt, weiß um die enorme Prächtigkeit und Sauberkeit, mit der sie sich rein visuell darstellt. Die fortwährend verschönerten Fassaden, Straßen, Geschäfte, Kneipen und Parks sind fotogen und sauber, an Reinlichkeit lässt die Stadt nichts zu wünschen übrig. Ganz ähnlich auch Freiburg mit seinen pittoresken Gässchen und für den touristischen Blick adrett restaurierten mittelalterlichen Gebäuden.
Wer mit so einer Blickgewöhnung nach Köln zieht, bemerkt hier in einem fort die zahllosen visuellen Brüche, die durch die wilde Mischung aus 50er, 60er, 70er usw. Baustilen vorherrschen, die planlose Straßenführung, den Sperrmüll, die Kioskkultur – häufig lange ungestrichen, morsch, beklebt, improvisiert, hässlich. Alles andere als gelackte Fassade. Statt dessen voller Spuren aus der Zeit.
Dortmund, nach Köln die zweitgrößte Stadt in Nordrhein Westfalen, entwickelt im Zuge von Ruhr 2010 und dem Ende der Kumpelei ein ganz neues Selbstverständnis. Mit großem Elan wird daran gearbeitet und von stadtpolitischer SeiteHoffnung und auch Geld in die Kultur gesetzt. Städtebaulich sind viele Maßnahmen zu beglückwünschen. (Schade, dass es nicht zum Umbau des Hauptbahnhofes in ein Ufo reichte, wie kurzzeitig angedacht war.) Mir – mit der “Kölner Brille” auf der Nase – fallen die schrägen Ecken besonders auf, die Hinterhofstraßen ohne Namen, merkwürdigen Anbauten, kuriosen Dekos, unangepassten Menschen. Ich bekam Lust, diese Ansichten festzuhalten, ohne Anspruch auf Professionalität, um mein eigenes Bild von Dortmund über die Grenzen des Ruhrgebiets zu senden.
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