Ich bin in Essen geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen. Seit 1987 lebe ich in England und habe einige Jahre in Cardiff, Süd – Wales gearbeitet. Diese Gegend ist – ähnlich wie das Ruhrgebiet – von der Schwerindustrie geprägt. Und es sind nicht nur die Industrieanlagen, die mich an das Ruhrgebiet erinnern, sondern auch die Gesichter und die Körpersprache der Menschen. Ein Leben in dieser industriellen Umwelt verformt den Körper und es erzeugt auch einen besonderen menschlichen Ausdruck. Diese eigenen Ausdrucksformen der Menschen verstehe ich ebenso als Kulturgut wie die dinglichen Objekte, etwa die Industriearchitektur.
Als Künstlerin interessiere ich mich für den Ausdruck von körperlicher und emotionaler Befindlichkeit, der durch die materielle Veränderung des künstlerischen Mediums erzeugt wird. Die Beziehung des Arbeiters zu der industriellen Umwelt wird in der Arbeit durch die Hand im Schutzhandschuh dargestellt. Der Stahlarbeiter trägt während der Arbeit eine Schutzkleidung, unter der sein Körper beinahe unkenntlich wird. Nur bei extremen Bedingungen und Ereignissen wie zum Beispiel starker Abnutzung der Kleidung oder einem Unfall verliert die zusätzliche Schicht ihre Schutzwirkung, nur dann kommt der eigentliche Körper zum Vorschein.
Die Herstellung der Hand im Handschuh ist als Analogie zur Entwicklung des Gesichtsausdruckes des Arbeiters zu verstehen. Deshalb ist der Ausdruck der ungebrannten Hand in den verschieden Stadien ihrer Herstellung künstlerisch ebenso bedeutsam wie der der gebrannten Objekte. Diesen Aspekt integriere ich durch Projektionen der verschiedenen Stadien der Hand in die Installation ERZ 4254.
Die Objekte sollen in verschiedenen Arbeitsumwelten ausgestellt werden, zum Beispiel ehemaligen Industrieanlagen und öffentlche Büros. Somit soll ein Dialog zwischen Arbeitswelten von gestern und heute hergestellt werden.
bildende kunst