Essen irgendwann am Anfang der Neunziger Jahre des gewesenen Jahrhunderts. In einer unscheinbaren Hinterhofkneipe am Rüttenscheider Stern legen eine Handvoll Studenten den Grundstein für einen der besten House Clubs Deutschlands. They call it: Rote Liebe.
Was das alles mit Festland zu tun hat? Es hilft, die Rote Liebe und deren Umfeld zu kennen, um Festland zu verstehen.
Thomas Geier, der Drummer und Sänger von Festland war einer der Gründer und DJ"s der Roten Liebe und Joachim Schaefer alias Yoshino, der Keyboarder und ebenso Sänger der Band, ist hier und da in den unterschiedlichen Locations der Roten Liebe rumgeturnt. Ob sich das andere Mitglied der Band, der Bassist mit den Jazzwurzeln Dietmar Feldmann a.k.a. DDFM, und der malende Texter, Fabian Weinecke, zu dieser Zeit dort herumgetrieben haben ist unklar, aber es hätte ihnen gefallen.
Wer genau hinhört erkennt, wo Stücke wie der Opener „Irre Gleise“ ihre ästhetische Basis haben. Dekonstruktionen von Labels wie Strictly Rhythm oder Nervous haben sich tief in die rhythmische Basis vieler Festland-Stücke eingegraben.
Es wäre viel zu einfach „Welt verbrennt“, das zweite Album von Festland, nur auf die Formel Clubmusik plus deutsche Texte zu reduzieren.
Bei Stücken wie „Unsere Stadt“ haben selbstredend auch der intelligente Krach von Bands wie Sonic Youth Pate gestanden, hier und da erklingt eine Basslinie aus dem sonischen Repertoire des Frühachtziger-Boogie und Thomas Geier hat nicht ohne Grund jahrelang bei Die Regierung getrommelt, die nur deshalb nicht richtig zur Hamburger Schule zählten, weil sie woanders gewohnt haben.
Festland haben mit ihrem zweiten Album ihre stilistische Bandbreite erweitert und zeigen, dass sie ohne weiteres in der vorderen Tabellenhälfte der deutschen Intelligenzmusik mithalten können.
Empfindsamkeit, Groove und Intellekt geben sich bei Festland lässig die Hand. Wie viele andere deutsche Bands können das von sich behaupten?
Text: Steffen Irlinger
kreativität