Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR2010 treffe ich Menschen aus dem Ruhrgebiet zum Gespräch. Denn irgendetwas verbindet mich mit ihnen. Vielleicht ist es das Zuhause-Gefühl zahlloser Besuche während meiner Kindheitsjahre bei den Großeltern in Castrop-Rauxel. Der Geruch von Kokerei und Schrebergarten. Vielleicht ist es der Wandel, der Kontrast von kultureller Energie und Heimat. Vielleicht ist es auch das kleine Spielzeug-Boot am langen Faden, das sich losriss damals in der Ruhr bei Arnsberg im Sauerland und (ich bin sicher) über Fröndenberg und Witten, Kupferdreh, Kettwig und Mülheim schließlich in Duisburg-Ruhrort in den Rhein gespült wurde. Von Rotterdam aus befährt es heute als großer Pott die Weltmeere. Vielleicht ist es das... Untertage, tags und nachts bin ich unterwegs und fördere Beziehungen, Erkenntnisse und neue kulturelle Energie im Rahmen meiner Gespräche zutage.
Seit 2005 führte ich bereits über fünfzig Gespräche in anderen Kontexten und es ist als habe jedes Gespräch, jeder Mensch seinen Platz und seine Zeit im Universum meiner eigenen Geschichte. Die Gespräche dokumentiere ich in Bild, Ton und auch Film und verwende sie als »Rohmaterial« für Bilder und Medienarbeiten. Die Gespräche sind für mich alles: Die Verbindung von angewandter, freier und konzeptioneller Arbeit, Entspannung, reisen, suchen, Orte und Menschen treffen. Künstlerisches Schaffen by doing.
Gott und die Welt: Ich spreche mit Menschen, die ich schätze und mit denen mich mindestens eine Idee verbindet (manchmal ahne ich nur, welche). An besonderen Orten sprechen wir über das, was uns treibt. Wir schwelgen, schweifen ab, fachsimpeln, erinnern, lästern und entdecken. Ein gutes Gespräch kennt seinen Weg. So mäandern sie durch Zeit und Raum und tragen uns mit sich. Was bleibt, ist eine gemeinsame Erinnerung, geteilte Zeit. Was entsteht, ist ein wachsendes Bildnis meiner persönlichen Inspirationen.
kreativität